Das 21. Programm der "Brennesseln":

Zur Verwählung alles Gute

Im 21. Jahr ihres Bestandes ist diese Formation und traditionsgemäß bringen sie auch heuer (2001) wieder ab Herbst ein aktuelles, neues Programm heraus. Die "Brennesseln", seit mehr als zwei Dezennien fixer Bestandteil der österreichischen Kabarettszene, trotzen jedem Klamauk- und Comedy-Trend und trotzdem sind die Spieltermine ein Jahr im voraus mit ihren zeitkritischen Revuen verplant.

Ihre Angriffsflächen holt sich die "Viererbande" in der Gesellschaft sowie in der Politik und dieses Reservoir ist anscheinend unerschöpflich.

Doziert, seziert und verspottet wird heuer mehr denn je das Tun dieser Regierung, egal, ob Stromliberalisierung, Ambulanzgebühren, Privatisierungen oder das vielbelächlete Männerministerium. Die "Nesseln" finden immer und überall ein Büschel Haare in der Suppe. Aber man läßt auch verdiente Auslandsösterreicher in der Nummer "The old styrian Boys" zu Wort kommen. Zu einer Johann Strauß-Melodie zelebriert man die "Defizit-Polka", und weitere treffende Kabarettsongs erzählen die Geschichte von den "Seilschaften" und vom oft zitierten "kleinen Mann".

Es ist einfach alles drinnen, was ein politisches Kabarett abrundet: Bush-Versprecher, Westenthaler-Zitate, harsche Vergleiche, böse Unterstellungen, Sarkasmen ohne Ende, aber auch Gesetzestexte werden diesmal ad absurdum geführt.

Man stellt nebenbei auch noch Überlegungen an, zu 300.000 Analphabeten im Lande, wie zur 3. Generation der Emigranten. Umrahmt wird das ganze wie gewohnt, von den aktuellen Conférencen zum Tagesgeschehen. Kurzum, es ist eine bitterböse Show über das Österreich der Gegenwart geworden.

Langzeittexter und Gruppengründer Alfred Aigelsreiter hat sich heuer auch Beiträge von sehr prominenten Theater-Kapazundern ausgeborgt. Der Nestroy-Experte schlechthin, Regisseur Peter Gruber, schrieb das Lied über die Wiener Schicki-Mickis und "Nessel"-Regisseur Kurt Sobotka verfaßte den Text über die "Regie-Dompteure". Robert Herret, "Nessel"-Mitglied im sechsten Jahr machte sich Gedanken über Gewinnspiele und die Demokratie.

Peter Siderits, schrieb wie immer die treffende Musik und setzte die Chöre. Gemeinsam mit Paul Peschka und Robert Herret bildet er quasi - neben den darstellerischen Aufgaben - auch das "Gruppen-Orchester".

Für den gelungenen Ablauf der Show und die rasante Abfolge der Pointen sorgt auch heuer wieder Kabarett-Doyen und Kleinkunst-Altmeister Kurt Sobotka. Er hält die Regiezügel beim Satirekleeblatt bereits zum viertenmal im kundigen Theater-Pratzerl.